Wandern mit Kindern

Einfache Wanderungen sind optimal, um mit Kindern gemeinsam die Natur zu erleben: Entdeckungen werden gemacht, Verstecke gefunden, Dämme gebaut, der eigene Rucksack wird geschultert und eine Brotzeit am Waldrand schmeckt gleich doppelt so gut. Wenn die Kleinen abends von Kopf bis Fuss schmutzig sind, wurde schon fast alles richtig gemacht. Ein paar weitere Punkte sollten beim Wandern mit Kindern dennoch beachtet werden:

Der Weg ist das Ziel

Kindern ist es egal, wieviel Strecke oder Höhenmeter sie pro Tag "schaffen" oder ob sie das gesetzte Tagesziel erreichen. Für sie zählen einzig und allein die Dinge, die sie unterwegs erleben können: Eine Eidechse beobachten, einen besonders geformten Stock finden, einen kleinen Damm im Bach bauen, das Brot mit einem Kindertaschenmesser schmieren... Beachten Sie das bei der Planung Ihrer Tour und nehmen Sie sich genug Zeit für Spiel- und Erholungspausen.

Altersunterschiede

Den "ganz Kleinen" sollten sie die Strapazen einer Wandernung ersparen. Frühestens, wenn das Kind selbst und sicher aufrecht sitzen kann, sind kurze Wanderungen in der "Krax'n" -einem geeigneten Tragegestell- möglich. Diese Wanderungen sollten nicht länger als zwei oder drei Stunden dauern. Experten empfehlen zu Pausen alle 30 oder 60 Minuten, in denen das Kind auch aus dem Tragegestell genommen werden sollte, um sich zu erholen.

 

Generell gilt: Kinder reagieren schneller als Erwachsene auf körperliche Anstrengung oder Pausen: Sie brauchen öfter Pausen, erholen sich dann aber auch sehr schnell. Gleiches gilt für die Körpertemperatur: Kinder erhitzen und kühlen schneller ab als Erwachsene - beachten Sie das bei der Wahl der Kleidung.

 

Kinder im Kindergartenalter können oder wollen bereits selbst gehen. Denken Sie aber daran, das der Körper eines Kindes bei weitem nicht so belastbar ist, wie der eines Erwachsenen. Das gilt insbesondere dann, wenn das Kind seinen eigenen Rucksack trägt. Dieser sollte nach einer Empfehlung des Deutschen Alpenvereins maximal 10% des Körpergewichtes wiegen, also nur ein paar leichte Spielsachen enthalten. Das eigentliche Gepäck für das Kind müssen die Erwachsenen tragen.

 

Die reine Gehzeit mit Kindern im Kindergartenalter sollte drei bis vier Stunden nicht überschreiten. Bitte beachten Sie bei der Planung Ihrer Tour, dass sich die Gehzeit mit Kindern leicht verdoppeln kann und dass viele Pausen eingelegt werden müssen.

 

Ausrüstung und Verpflegung

Kinder die selbst gehen, sollten hohe Schuhe mit einem griffigen Profil tragen die den Knöchel stützen. Kinderwanderstiefel sind eine sinnvolle Investition.

 

Ein kleiner Rucksack gehört auch dazu, sollte aber nur ein paar leichte Dinge enthalten. Denken Sie an Kleidung zum Wechseln (auch Socken), falls das Kind eine Wasserstelle zum Spielen oder Pfützen entdeckt. In jedem Fall sollten Kinder und Erwachsene Schutzkleidung gegen Wind, Kälte und Regen dabei haben, Kinder in jedem Fall eine Kopfbedeckung gegen Kälte bzw. als Sonnenschutz. Dazu natürlich reichlich Sonnencreme und vielleicht eine Kindersonnenbrille.

 

Die Apotheke für unterwegs sollte mit den Lieblingspflastern der Kinder aufgestockt werden, ein "Trösterle" kann zudem über den Schreck einer leichten Verletzung hinweghelfen. Sollten Sie das Kind im Tragegestell mitnehmen, eignen sich Wanderstöcke um Ihnen das Gehen zu erleichtern.

 

Ältere Kinder dürfen unter Aufsicht mit einem Kompass, einem Fernglas oder sogar schon einem Kindertaschenmesser (im Fachhandel erhältlich) die Natur erkunden. Bitte achten Sie neben der richtigen Handhabung des Messers darauf, dass das Kind nicht wahllos Pflanzen abschneidet. Für alle Fälle geben Sie dem Kind eine laute Signalpfeife (an einer Schnur) mit, die es verwenden soll, wenn es sich verlaufen hat (und nur dann).

 

Neben der üblichen Verpflegung für Unterwegs (Brotzeit für die Pausen und kleinere, energiereiche "Trailsnacks" für unterwegs) müssen Sie einplanen, dass Kinder bei körperlicher Anstrengung etwa doppelt soviel trinken wie bei ruhigeren Beschäftigungen. Saftschorlen sind in der Regel eine gute Wahl.

Gefahren

Bei einer Wanderung mit Kindern sind Kratzer und kleinere Schürfwunden kaum zu vermeiden. Diese sind aber schnell behandelt und stellen in der Regel kein Problem dar. Andere Gefahren sollten allerdings mit Sorgfalt beachtet werden: Das Wetter ist einer der Hauptfaktoren, der Ihre Wanderung beeinflusst. Nehmen Sie ausreichend Kleidung mit, um auf Regen, Kälte, Hitze und vor allem Sonneneinstrahlung reagieren zu können.

 

Gefährliche Wanderwege sind generell tabu, im Optimalfall kennen Sie den Weg bereits und können dem Kind sagen, was für ein toller Bach drei Ecken weiter wartet. Achten Sie während des Wanderns und auch bei Pausen darauf, dass Kind nie aus den Augen zu verlieren.

 

Eine besondere Gefahr stellen in Portugal die Raupen des sogenannten Prozessionsspinners dar, die bei Berührung sehr giftig sein können. Detaillierte Infos finden Sie hier.

Spielen und Erleben

Überlegen Sie sich schon bei der Routenplanung ein paar Spiele, mit denen Sie unterwegs die Kinder unterhalten können. Von der klassischen Schatzsuche bis zum "Ich sehe was, was Du nicht siehst" sind die Möglichkeiten grenzenlos. Eine ganz besondere Beschäftigung für Kinder ist die Gestaltung kleiner Kunstwerke mit Material aus der Natur, auch bekannt unter dem Begriff "Land-Art".

 

An der Algarveküste (aber auch andernorts) bietet die Möglichkeit des Eselwanderns eine bei Kindern sehr beliebte Variante. Die Esel tragen dabei das Gepäck und dürfen hin und wieder auch selbst einmal reiten. [Mehr Informationen zum Eselwandern in Kürze an dieser Stelle!]

Nach der Wanderung

Kinder müssen Erlebtes verarbeiten - das gilt sowohl für positive als auch negative Erfahrungen. Sprechen Sie ruhig mit den Kindern über die Wanderung, fragen Sie was ihnen am besten gefallen hat, was ihnen vielleicht etwas Angst gemacht hat, ob dieses oder jenes beim nächsten mal anders gemacht werden soll. Betrachten Sie gemeinsam Fotos der Tour und sagen Sie den Kindern ruhig, dass Sie es genossen haben, mit ihnen unterwegs zu sein. Über Einschlafschwierigkeiten brauchen Sie sich an diesem Abend bestimmt keine Sorgen machen...